Gemeinde Sternenfels

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Wildgehege Sternenfels

Heimatstark hat sich im auf Grund der Jahreszeit noch lichten Wald auf die Lauer gelegt, um die mitunter scheuen Bewohner des Sternenfelser Wildgeheges zu sichten. Mit Erfolg! Wir berichten über die Geschichte dieses Wildgeheges, seine Rundumerneuerung im Rahmen eines besonderen Bürgerprojekts und seine tierischen Bewohner.

Es ist ein sonniger und schon recht warmer Februarmorgen. Die Vögel zwitschern um die Wette. Ein Buntspecht düst von einem Baum zum anderen. Auf dem Trinkwaldsee ziehen die Enten ihre Runden. Eine entspannte Ruhe macht sich breit. Und auch hinter dem zwei Meter hohen Drahtzaun herrscht absolute Stille. Noch ist weder ein Mufflon oder ein Hirsch zu sehen. Einer der beiden Jagdpächter, Henning Wagner, kommt gemeinsam mit dem Tierbetreuer Siggi Rook zum vereinbarten Treffpunkt am Informationsschild und erzählt die Geschichte des Wildgeheges, das es schon seit den 1970er Jahren gibt. Die Bewohner von Sternenfels und der Umgebung nutzten es gerne als Naherholungsziel. Doch mit den Jahren wurde die Zaunanlage marode und irgendwann war auch kein Rotwild mehr da. Dem Gehege drohte die Schließung und der Rückbau, denn in diesem Zustand konnte kein Tier mehr darin gehalten werden. Der Bürgerschaft war es zu verdanken, dass dann doch alles anders kam. Auf Anregung der Fraktionsgemeinschaft Freie Wähler und SPD gründete sich 2015 eine bürgerschaftliche Gruppierung, die sich zusammen mit den örtlichen Jagdpächtern Henning Wagner und Hans-Peter Fazler der maroden Anlage annehmen wollte. Das Motto war klar: die Reaktivierung und Erhaltung des Wildgeheges. „Wir standen damals vor der Wahl auflösen oder erhalten“, bringt es der engagierte Familienvater Wagner auf den Punkt. Die Bürgerschaft sprach sich für die Erhaltung aus und packte dann auch ordentlich mit an. Hinzu kam ein schier überwältigendes Spendenverhalten von der Arbeitskraft über Maschinen, Geldmittel bis hin zu Spenden für den Neubesatz mit Tieren. Mit dabei war auch Siggi Rook, der zusammen mit 21 weiteren Ehrenamtlichen Anfang März 2016 tatkräftig zum ersten Arbeitseinsatz antrat. „Die viele Arbeit hat sich wirklich gelohnt, es ist ein Paradies für unsere Tiere geworden“, stellt er stolz fest. Er ist der ehrenamtliche Tierbetreuer, füttert im Winter zu und schaut regelmäßig nach den 10 Mufflons und dem Damwild, darunter Hirsch Bruno mit seinem weiblichen Gefolge. „Die Tiere hören mich schon und haben Vertrauen“, zeigt er und streichelt ein weibliches Damtier. Nur die Mufflons haben an diesem Vormittag keine Lust auf einen Fototermin und suchen in aller Eile das Weite. Da kann Jagdpächter Wagner nur lachen und erklärt, „die Mufflons erwarten bereits im März ihren Nachwuchs und sind darum etwas scheu“.

Für die Ehrenamtlichen hieß es damals rund sieben Hektar Fläche wieder in Schuss zu bekommen. Dazu gehörten zunächst das Müllsammeln und Freischneiden vom alten Zaun, das Fällen von störenden Bäumen, das Setzen von zig Holz- und Metallstangen, die später den kilometerlangen und zwei Meter hohen Zaun fixieren sollten. Alleine der Spanndraht für den Zaun addierte sich auf stolze 3500 Meter. In Summe kamen bis zur Eröffnung des Wildgeheges im Juni 2016 rund 1200 Arbeitsstunden zusammen, die Spenden beliefen sich auf 14600 Euro. „Eine klasse Leistung“, stellt Gemeindekämmerer Markus Klein fest. „Der Zusammenhalt der Bürger ist zusätzlich gewachsen, die Gemeinde war bei seinerzeit angespannter Finanzsituation entlastet und das über Generationen liebgewonnene Naherholungsziel gerettet“, fasst er stolz zusammen und zeigt sich darüber froh und dankbar. Doch nur mit der Renovierung war es nicht getan. „Es fallen ständig Arbeiten an. Mal muss der Zaun ausgebessert, eine Tafel erneuert oder im Winter fachgerecht zugefüttert werden“, erklärt Siggi Rook und hackt nebenbei Zuckerrüben klein, die, wie sollte es anders sein, ebenso wie das Heu von einem Bauern gespendet wurden. Übrigens ist das Füttern der Tiere, auch wenn es gut gemeint ist, nicht erlaubt. „Die Tiere können krank werden und sterben“, erklärt Hennig Wagner. Ziel des Geheges sei es einfach, die Tiere beobachten zu können und sich an der Natur zu erfreuen. Die tierischen Bewohner übrigens waren einst im Wildpark in Pforzheim zuhause und siedelten mit einer Pferdekutsche nach Sternenfels über. Jetzt ist ihr Gehege so groß, dass sie sich so weit zurückziehen können, dass man sie gar nicht mehr sieht. Wie das geht, haben die Mufflons schon drauf. Sie bleiben trotz intensiver Suche an diesem Vormittag wie vom Waldboden verschluckt.

Text und Bilder: Sabine Ries, Autorin

Damhirsch Bruno ist der Chef im Gehege. Bald wird er sein prächtiges Geweih abwerfen.
Damhirsch Bruno ist der Chef im Gehege. Bald wird er sein prächtiges Geweih abwerfen.
Sigi Rook hat sich in den vergangenen Jahren das Vertrauen der Tiere erarbeitet. Manche lassen sich sogar von ihm streicheln.
Sigi Rook hat sich in den vergangenen Jahren das Vertrauen der Tiere erarbeitet. Manche lassen sich sogar von ihm streicheln.
Eine Infotafel gibt Auskunft über die Bewohner des Wildgeheges
Eine Infotafel gibt Auskunft über die Bewohner des Wildgeheges
Die Mufflons zeigen uns nur ihr Hinterteil. In Kürze erwarten sie Nachwuchs und sind entsprechend scheu.
Die Mufflons zeigen uns nur ihr Hinterteil. In Kürze erwarten sie Nachwuchs und sind entsprechend scheu.

Kontakt

Gemeindeverwaltung Sternenfels
Maulbronner Str. 7
75447 Sternenfels

Tel. 07045 970-1110
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Tel. 07045 970-4000 | info@sternenfels.org